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Sonntag, 4. November 2012

Frust, Weltschmerz und Jammertweets




Manchmal möchte ich auch meinem Bedürfnis nachgeben und meinen Frust und Weltschmerz in Jammertweets rausjaulen und ihn gebetsmühlenartig Stunde für Stunde twittern.
Erkenntnisse und Weisheiten von mir geben, die mir widerfuhren. Quälende Sinnfragen ins Twitteruniversum schleudern, wo sie wenigstens gelesen, aber auch nicht beantwortet werden. Für Sinnfragen und deren Antworten ist keiner zuständig und ein 'Gott' schon gar nicht. Nun gut, mensch ist vielleicht nicht so allein damit, weil sich viele wiedererkennen.
Und man hat Follower.
Ich würde manchmal überhaupt gern Antworten auf die allerbanalsten Fragen bekommen, doch selbst da hüllt mancher sich sehr gern in Schweigen.
Ich verzeihe viel, nur Unhöflichkeit und Ignoranz nicht. 

aktuelle Gründe gäbe es also …

Eine meiner Weisheiten wäre diese:
Das Leben besteht aus zwei Waagschalen.
Was auf der einen Seite hinzukommt, wird auf der anderen Seite genommen. Erstmal wird ein Leben hinaufgepackt, dreißig,vierzig, hundert Jahre, je nachdem, und dann wird zurückgefordert. Niemand entgeht dem Gläubiger… Profan? Profan ist nur die Erkenntnis, das Erfahren nicht.

Zugegeben - das Leben hat nie behauptet, profan und unkompliziert zu sein. Und wo steht geschrieben, dass es DIR irgendetwas schuldig sei? Den Anspruch stellst nur du selbst.
Du glaubst, es lässt dich an der langen Leine?? Der größte Irrtum überhaupt. Eine lange Leine kann sich genüsslich zuziehen und dich erwürgen. Sie ist nur länger als die kurze, und deswegen dauert es auch länger. Profan.

Auch das Thema Liebe eignet sich gut für die Waagschale. Natürlich wird erstmal viel hineingepackt. Je höher der Flug, desto härter der Fall. Wir wählen immer wieder den höchsten, den besten Flug mit der besten Airline.
Junge Girlies, kaum entjungfert, jammern irgendwelchen Lovern nach und glauben, es gäbe keinen anderen mehr. Wäre es nicht sinnvoller, lieber in die Zukunft zu schauen, statt die Vergangenheit monatelang in Tweet für Tweet zu beweinen?

Warum ich dieses Zeugs, das auch mir mal durch den Kopf geht, nie twittere, sondern es einfach nur für mich behalte, bzw. es irgendwo an passender Stelle in meiner Literatur unterbringe?
Weil ich der Verführung durch Selbstmitleid lange selbst nicht widerstehen konnte. Weil ich im zweiten Teil meines Lebens lieber eine Kriegerin und keine Verliererin sein wollte, wobei ich mit Kriegerin niemand meine, der mit Waffen für unsinnige Ideale in den Krieg zieht.
Weil es Spaß macht, sich jeden Tag neu zu erfinden.

Kommentare:

  1. Florella, vielen Dank für diese Zeilen!

    Auch ich lese natürlich diese Frust und Jammertweets jeden Tag, die ich nicht verurteile – ich bin kein Richter, deren Sinn ich aber auch nicht verstehe, im Gegenteil, ich sehe in ihnen eher den meist kontraproduktiven Anteil.

    Ich lese von Menschen, die schon am frühen Morgen den Tag als miserabel „abhaken“ wollen. Als bekennender Nachtmensch kann ich zwar auch „niemanden leiden, der morgens früh gut gelaunt“ ist, aber am Beginn eines Tages, der vielleicht noch so viel schöne Dinge bringen kann – zumindest immer das Potential dazu hat, dies schon durch eine solche selbsterfüllende Prophezeiung sich selbst „kaputt“ zu machen, erscheint mir widersinnig. Mein Verdacht ist dabei immer, hier spiegelt sich auch so ein bisschen die Einstellung zum gesamten Leben wieder – das wäre dann in der Tat traurig und diese Menschen haben dann mein ganzes Mitgefühl – nur ändern muss das jeder erst einmal selbst bei sich. Und dies ist in meinen Augen eine innere Einstellung, die nichts mit realen äußeren Bedingung zu tun hat. Ich möge im Verdacht stehen irgendein religiöser Spinner, oder vom Leben eher verwöhnt zu sein – mitnichten, ich bin ausgesprochen unreligiös, eher ein „homo faber“ und allein mit meiner Kindheit kann ich Generationen von Therapeuten beschäftigen.

    Auch bei dem von Dir angesprochenen Thema Liebe kann ich natürlich inneren Frust und Enttäuschungen gut verstehen. Es kann sogar sein, dass es den Menschen gut tut, wenn sie diese dann rauszujaulen und eventuell entsprechende Mitgefühl-Tweets zurückbekommen. Nur häufig gehen diese Jammertweets aber weiter in Richtung von Gesuchen diese Lücke in ihrem Leben wieder gefüllt zu bekommen. Für diesen Sinn und Zweck bleibt mir nur Unverständnis, weil zumindest für mich es nichts unattraktiveres gibt, als einen jammernden Partner (in spe) – das ist so sexy wie flache Ballerinas. Jeder darf und sollte sogar mal schwach sein in seinem Leben – nur nochmal, das Leben hat so viele Überraschungen parat, da reicht es völlig aus sich einfach nur dafür zu öffnen, um so für sich selbst ganz viel Positives für sich selbst erleben zu können. Das ist vielleicht genau das, was Du unter „Kriegerin“ verstehst.

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  2. Hallo Mctseten,
    ich danke dir für diesen ausführlichen Kommentar.
    Im Gegensatz zu dir mag ich auch Leute, die morgens gute Laune haben *lach*, aber es gibt auch Tage, da stimmt eben gleich von Anfang an nichts. Okay, das lasse ich dann auch mal in einem Tweet raus, aber nicht Tag für Tag.
    Die Gefahr der sich selbst erfüllenden Prophezeiung ist sehr groß, man 'betet' sich das Elend selbst vor, und das Unterbewusstsein speichert das.
    Leider kann man auch nichts machen, dass die Leute nicht auf der Timeline erscheinen, weil sie von anderen ständig auch noch retweetet werden. Und mir tut es dann leid, wenn junge, hübsche Mädchen, deren Leben ja noch nicht verloren ist, monatelang einen Verflossenen herbeiweinen wollen. Für sein eigenes Glück ist jeder schon soweit selbst verantwortlich, dass er die Verantwortung nicht einem anderen übertragen sollte.
    Mitgefühl ist etwas Schönes, aber diese Leute bekommen nur Mitleid, und das macht sie klein und hilflos. Doch das wissen sie nicht einmal.

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